Umstieg ins göttliche Leben

Zum Beginn dieses Kapitels fasse ich kurz zusammen, um den Kontext in Erinnerung zu rufen. In diesem Hauptkapitel Erleuchtet! Und nun? geht es explizit darum, was nach der Erleuchtung / nach dem Erwachen geschieht, wie es dann weitergeht. Ich habe über die Vier Phasen nach der Erleuchtung geschrieben, über die Verwirrung, die nach der Erleuchtung mit hoher Wahrscheinlichkeit eintritt, über die Verkörperte Erleuchtung, über Das machtlose Leben und darüber, wie sich das erleuchtete Leben darstellt, wenn man schon seit ein paar Jahren erleuchtet ist.

Doch das ist noch nicht alles. Jeder erleuchtete Mensch spürt und erfährt, dass sein Leben noch nicht vollendet ist, dass es da offene Baustellen gibt und dass da noch etwas kommen muss. Sicher, der erleuchtete Mensch weiß, wer er wirklich ist, er kennt die Seele, die er ist. Er sieht (Bewusstsein) und fühlt Energie, er hat zig (oder Hunderte) Mal erlebt, wie leicht, einfach und anmutig sich alles im Leben fügt, wenn er in der Haltung des Loslassens und des Erlaubens ist, und er weiß, dass sich das wahre Leben genau so und nicht anders abspielt. Dafür hat er all die Jahre gelebt und leider auch oft gekämpft. – Und doch haben alle Erleuchteten, die ich persönlich kenne, was mittlerweile doch einige sind, dieselben Probleme, oder eher das selbe Problem: sie haben den Umstieg ins göttliche Leben noch nicht vollzogen, weil sie ihn noch nicht gewagt haben. Sie haben ihn teilweise gewagt und ihre Erfahrungen gemacht, aber eben nicht ganz. Doch nur, wenn man diesen Umstieg ganz vollzieht, erntet man alle Früchte, die das göttliche Leben für einen bereit hält. Was das nun genau heißt und bedeutet, beschreibe ich in dem vorliegenden Kapitel.


Alle erleuchteten Menschen, die ich persönlich kenne, haben noch immer Probleme mit den drei großen, klassischen Bereichen des Menschseins, nämlich mit Finanzen, Beziehungen und Körper. Ich meine jetzt speziell Menschen, die schon seit Jahren erleuchtet sind. Und weil diese Probleme so hartnäckig an ihnen zu kleben scheinen, mischt sich auch immer wieder das altbekannte Problem mit dem Selbstwert dazu. Dieses Thema ist an sich längst abgehakt, es tritt nur deshalb auf, weil sich der Mensch sagt, dass es doch nicht sein kann, dass er noch immer Probleme mit einem oder mehreren der großen klassischen Themen hat. Und so beginnt er dann und wann, an sich selbst zu zweifeln. Eh voilá, Selbstwertthema.

Für erwachende Menschen, die dieses Kapitel lesen, möchte ich etwas zur Klarstellung sagen. Der letzte Absatz mag so klingen, als ob es keinen Unterschied zwischen erwachend und erwacht gäbe, was natürlich nicht ansatzweise stimmt. Der erwachte Mensch hat die göttliche Perspektive, er weiß, wie leicht das Leben eigentlich ist. Er hat auch viele Erfahrungen mit dieser Leichtigkeit gemacht. Er stolpert nur immer wieder über die Tatsache, dass er nach wie vor auch ein Mensch ist, mit einem menschlichen Körper und dieser conditio humana, gemäß der er immer wieder ganz automatisch zu alten Lösungswegen greift. Wenn er einmal einen Schritt zurücktritt und tief durchatmet, sieht er selbst sofort, welchen Blödsinn er da gerade auf seinem alten Lösungsweg macht. Und dann braucht er noch den Mut oder das Vertrauen, es anders zu machen, nämlich göttlich, nicht menschlich.

Einen gewaltigen Unterschied zwischen erwachend und erwacht gibt es noch, nämlich den Körper. Ein erwachender Mensch mag Probleme mit seinem Körper haben. Ein Mensch, der schon seit etlichen Jahren erwacht ist und nicht vollständig aufs göttliche Leben umsteigt, kriegt mit seinem Körper so arge Probleme, dass er keine andere Wahl mehr hat, als komplett aufzugeben und alles einfach geschehen zu lassen, was immer es sei. Die Seele zeigt dem Menschen ständig, wie leicht und anmutig sein Leben im Grunde ist, der Mensch glaubt es nicht. Irgendwann hat die Seele keine andere Möglichkeit mehr, als sich über den Körper auszudrücken. Das geschieht dann mit großer Deutlichkeit.


Im göttlichen Leben kannst du nicht mehr Job suchen oder Wohnung suchen. Überhaupt kannst du gar nichts suchen, weil du damit ausdrückst, dass das Gesuchte nicht da ist. Und das erlebst du, wenn du suchst. Du kannst dich nicht mehr um andere kümmern. Außer um deine Kinder, und das nur insofern, als sie es noch nicht selbst können. Du kannst dich nicht sorgen, um nichts und niemand. Du kannst nicht in geistigen Vorstellungen leben, wie schön es wäre, dies oder jenes zu haben. Du kannst dir nichts wünschen, dich nach etwas sehnen, etwas hoffen, auf etwas warten, oder etwas erreichen wollen. Das ist lauter altes Zeug. Damit ist einfach ein für alle Mal Schluss. Und das Witzige an der Sache ist, dass du genau das immer gewollt hast. Du wolltest dich einfach um nichts mehr kümmern, alles sollte bereits für dich da sein.

Und nun stell dir das einmal vor. Stell dir vor, du lässt alle deine Beziehungen sausen. Einfach alle. Und du kümmerst dich nicht um neue Beziehungen. Stell dir vor, du hast absolut kein Geld mehr, und du tust nichts, obwohl du nicht weißt, was du morgen essen sollst. Stell dir vor, dein Körper schmerzt, und du gehst nicht zum Arzt, Du schaust auch nicht im Internet, was du bei dieser Art von Schmerzen tun könntest. Stell dir vor, du reagierst nicht mehr nach alten Mustern, überhaupt nicht. Das heißt nicht weniger, als dass alles, was du bereits kennst, was du als Mensch gelernt hast, keine Geltung mehr für dich hat. Stell dir vor, du machst dir angesichts der größten Probleme, angesichts der totalen Ausweglosigkeit nicht die geringsten Sorgen. Stell dir vor, du verlässt dich in allen Fragen des menschlichen Aus- und Fortkommens zu 100% auf deine Göttlichkeit. Vor allem dies bitte ich dich, dir vorzustellen und zu fühlen.

Was an dieser Stelle normalerweise passiert, ist, dass der erleuchtete Mensch es gewaltig mit der Angst kriegt. Eine Angst, die großer ist als jede Angst, die er je verspürt hat. Gleichzeitig ist diese Angst unkonkreter denn je. Der Mensch kann gar nicht genau sagen, wovor er eigentlich Angst hat. Letztlich hat er Angst davor, alles Bekannte zu verlassen und sich ab nun nur mehr auf die gewaltige Macht seiner eigenen Göttlichkeit einzulassen, die ihm auch Angst macht. Und er hat Angst davor, die menschliche Steuerung und Kontrolle aufzugeben. Sie war Äonen lang sein Halt, seine Gewissheit, auf den/die er sich verlassen hat. Auch der längst erleuchtete Mensch verlässt sich gerne auf sie, obwohl er mit zunehmender Dauer seines erleuchteten Lebens immer deutlicher bemerkt hat, dass ihn die menschliche Steuerung bestenfalls in den sicheren Abgrund führt.
Der Umstieg ins göttliche Leben ist ein klassischer Fall von alles oder nichts. Der Mensch kann nicht ein bisschen oder großteils göttlich leben. Ebenso wie eine Frau nicht ein bisschen oder großteils schwanger sein kann. Entweder ist sie schwanger oder nicht. Dazwischen gibt es nichts. Entweder lebt ein Mensch göttlich oder nicht. Dazwischen gibt es nichts. Diese Totalität macht dem Menschen wieder Angst.

Um den Umstieg zu wählen und zu vollziehen, braucht man enorm viel Vertrauen – oder enorm viel Mut. Merke: Mut braucht man nur, wenn man nicht vertraut. Vertrauen ist natürlich besser als Mut. Wenn ein Mensch beides nicht aufbringt, stößt ihn die Seele irgendwann förmlich ins göttliche Leben. Das ist dann aber ziemlich unfreundlich und mit körperlichen Schmerzen verbunden. Denn einerseits ist die Entwicklung in Richtung göttliches Leben natürlich, andererseits hat sie der Mensch gewollt.


Ich weise noch einmal deutlich darauf hin, dass dieses Kapitel meiner Lehren ausschließlich Menschen adressiert, die schon seit mehreren Jahren erleuchtet sind. Erst sie sind an dem Punkt, an dem sie diese Erfahrungen machen, an dem Punkt des alles oder nichts. Andererseits ist es nicht so, dass diese Menschen alles Gelernte verlieren, wie weiter oben beschrieben. Sie haben schon viele Erfahrungen mit ihrer Göttlichkeit gemacht, sie stehen beileibe nicht nackt da. Das sollte ihnen Vertrauen geben. Alle anderen Menschen können dies aus Interesse lesen, ohne es konkret auf ihre persönliche Situation anzuwenden.

Wie ich schon sagte, kenne ich mittlerweile schon etliche erleuchtete Menschen. Doch nur eine Handvoll, für die dieses Kapitel einen echten Sinn ergibt. Da ganz vorne ist die Luft halt schon dünn- Ich werde damit keine große Reichweite erzielen und kein Geld verdienen, aber die paar Menschen, um die es hier geht, haben sonst keine Orientierung, außer sich selbst natürlich. Aufgestiegene Meister können hier schon lange nicht mehr unterstützen, sie haben sich viel früher von der Erde verabschiedet und waren nie in der Erfahrung dessen, worüber ich schreibe.

Meine Abschlussbemerkung ist die: Der Umstieg ins göttliche Leben kann gemacht werden, ich bin der lebende Beweis dafür.

Kommentare

kommt das anders leben, woanders leben nicht von der seele (ausgedrückt durch begeisterung, leidenschaft, liebe)? der mensch trifft dann die bewusste wahl dafür und es geht dann genau in diese richtung, die die seele vorschlägt?