Ein erwachsener Mensch hat die volle Verantwortung für sein Leben übernommen. Nicht für einen Teil, auch nicht für einen Großteil, nein, für nicht weniger als 100%. Alles, was im Leben eines Menschen geschieht, alles, hat er selbst dort hingestellt. Es waren nicht andere Menschen, nicht ein allmächtiger Gott, nicht das Universum – was immer das bedeuten soll –, nicht das Schicksal, nicht ein aufgestiegener Meister, der oft behandelt wird wie dieser eine, allwissende und allmächtige Gott, nicht besondere Umstände, einfach nichts und niemand.
Natürlich, der erwachsene Mensch ist ja erleuchtet, ihm ist das bewusst. Zumindest grundsätzlich. Nichtsdestotrotz haben fast alle Erleuchteten, die ich kenne, nicht die volle Verantwortung für ihr Leben übernommen. Oft nicht einmal für den Großteil. Warum ist das bloß so?
Es liegt daran, dass Erleuchtete auch Menschen sind. Als Menschen sind sie es gewohnt, ganz automatisch nach alten Regeln und Gesetzmäßigkeiten zu handeln, obwohl sie sehr bewusst sind und es eigentlich besser wissen. Sie kriegen auch jedesmal sofort die Rechnung präsentiert, wenn sie nach alten Mustern handeln. Dennoch tun sie es immer wieder. Es dauert eben seine Zeit, bis Mensch erwachsen ist.
Die heutigen Erleuchteten leben alle in verkörperter Erleuchtung. Das heißt, unter anderen Menschen, nicht zurückgezogen in Bergen und Wäldern. Ihr Inneres treibt sie hinaus, mitten unter andere Menschen. Dadurch stellen sich Herausforderungen, die sich Erleuchtete früherer Generationen nicht gestellt haben. Für einen Einsiedler im Himalaya ist es viel leichter, die Verantwortung für sein Leben zu übernehmen, aber mitten in der Gesellschaft umgeben von altenergetischem Massenbewusstsein ist das erheblich schwieriger.
Gleichbedeutend mit dem Übernehmen der Verantwortung für das eigene Leben ist das Nichtübernehmen irgendeiner Verantwortung für irgendjemand oder irgendetwas anderes. Der erwachsene Mensch ist nicht verantwortlich für das Wohlergehen des Lebenspartners, der Familie, für Arbeitskollegen Vorgesetzte und Unterstellte. Sofern es überhaupt noch so ein altes Arbeitsumfeld gibt, im Normalfall hat sich ein Erwachsener längst davon getrennt und sich auf seine eigenen Beine gestellt.
Natürlich ist ein Erwachsener nicht verantwortlich für irgendeinen Bereich der Gesellschaft oder gar den Planeten. Er ist verantwortlich für sich selbst und damit auch für den Frieden in sich selbst, nicht für Frieden außerhalb seiner selbst. Aber der Frieden in sich selbst hat eine starke Strahlkraft in die ganze Welt und trägt so viel zum Frieden in seiner Umgebung und der Welt bei.
An dieser Stelle möchte ich etwas sagen, was nicht direkt das Thema Erwachsensein betrifft, aber gut zum eben Gesagten passt. Bewusste Menschen, ihr Sein und ihr Handeln, wirken enorm viel stärker als unbewusste Menschen. Wenn ein erleuchteter Mensch Frieden in sich spürt, strahlt das zigmal stärker nach außen als der innere Frieden eines unbewussten Menschen. Wenn ein Erleuchteter deutlich die Notwendigkeit eines völlig neuen Sozialsystems fühlt, bringt das Systeme ins Wanken. Ohne Übertreibung.
Von der langen Liste der Dinge, wofür Erwachsene nicht verantwortlich sind, gibt es nur eine einzige Ausnahme, und das ist das Wohlergehen der eigenen Kinder, solange diese noch nicht für sich selbst sorgen können, was irgendwann ab einem Alter von 16, 17 der Fall ist. Das bedeutet nicht, dass Eltern von 17jährigen nicht mehr für ihre Kinder da sein sollen, um ihnen zB ein Studium zu ermöglichen, doch es bedeutet, dass ab diesem Teenageralter das Verhältnis zwischen Eltern und Kinder ein anderes werden muss, eines zwischen souveränen Menschen. Die Eltern sollten da ein Gespräch mit dem Kind führen, in dem geklärt wird, was die Eltern noch für ihr Kind tun können und wollen, und inwieweit das Kind für sich selbst sorgen kann und muss. So sorgen erwachsene Menschen dafür, dass auch ihre Kinder erwachsen werden.
Ganz allgemein leben wir schon seit Jahrzehnten in einer Zeit, in der Eltern für viel mehr die Verantwortung übernehmen, als gut und sinnvoll ist. In Wahrheit beschneiden sie damit die Eigenständigkeit der Kinder aufs Gröbste und machen aus ihnen unmündige Menschen. Eltern sind dafür verantwortlich, ihr Kind zu lieben, es zu ernähren und zu pflegen, solange es noch klein ist, ihm die Regeln eines respektvollen Lebens beizubringen und ansonsten dem Kind nicht im Weg zu stehen bei seiner individuellen Entwicklung. Ende. Alles andere macht das Kind selbst, ganz automatisch und natürlich.
Die andere Seite der Medaille Verantwortung sind die Ausreden. Erwachsene Menschen haben damit aufgehört, sich auf irgendetwas auszureden. Solange sie noch nicht erwachsen sind, kommen die Ausreden auf Eltern und Erziehung, auf Partner und Familie, auf Zufälle und natürlich auf allerhand Systeme. Systeme, die allesamt ausnahmslos alt sind. Natürlich, es gibt (noch) keine neuen Systeme.
Es ist geradezu grotesk. Erleuchtete Menschen, die ganz genau wissen, was alt ist und bedeutet, hantieren mit alten Systemen und reden sich darauf aus, dass sie nicht so leben können, wie sie wollen, weil die alten Systeme ihnen im Weg stehen. Oder, was schlimmer ist, sie bemerken gar nicht, dass sie mit alten Systemen hantieren.
Da ist es wirklich Zeit, erwachsen zu werden. All diese Menschen, die noch nicht oder nicht ganz die Verantwortung für ihr Leben übernommen haben, sehen nicht die Frohbotschaft darin:
Wenn ich und nur ich allein für mein Leben verantwortlich bin, ist das keine Last, sondern bedeutet, dass ich und nur ich allein alles ändern kann, was mir nicht gefällt.
Diese Facette der Eigenverantwortung blenden Menschen häufig aus.
Man kann sich dann und wann auch alter Systeme bedienen. Solange das selten geschieht und man genau weiß, was man tut. Und solange man selbst im Neuen bleibt und sich nicht in Altem verstrickt. Diese Gefahr ist nämlich sehr schnell sehr gro0. Also Vorsicht! Im Zweifel kein altes = altenergetisches System. Es geht auch ohne.
Insgesamt ist zu sagen, dass das volle Übernehmen der Verantwortung für das eigene Leben mit allen Konsequenzen, insbesondere das Weglassen aller Ausreden, nicht gerade eine Kleinigkeit ist. Vielmehr ist es ein großes Ding, es ist ein großer Paradigmenwechsel. Aber wer einmal die ganze Verantwortung übernommen hat, gibt sie um keinen Preis der Welt wieder ab. Sie bringt nämlich Freiheit und Unabhängigkeit und ist ein Riesen Schritt in die Souveränität.
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